Die “Alte Liebe” meines guten Freundes Stefan machte sich also per Post auf den Weg in meine Modellwerft. Hier angekommen wurde die Modellruine erstmal in Augenschein genommen und der zu erwartende Arbeitsaufwand abgeschätzt. Das Ergebnis: Niederschmetternd! Das ist wohl nichts mit “schnell fahrfertig” und “nett anzusehen”. Da müssen dann doch ein paar Arbeitsstunden mehr eingeplant werden. Aber seht selbst:

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Wie schon erwähnt: Das Modell ist ein modellbauerisches Erstlingswerk und wurde auch nicht nach Baukasten aufgebaut sondern gleich dem Umbau zur Alten Liebe in der letzten Version als Selbstaufrichter unterzogen. Das ist selbst für einen erfahrenen Modellbauer schon eine Herausforderung, für einen Anfänger also noch viel schwieriger. Ok... der Rumpf war also soweit noch zu gebrauchen, das ABS nicht über alle Maße spröde (auch dieses Modell ist bereits geschätzte 25 Jahre alt). Das Deck konnte man auch noch verwenden. Der Aufbau... naja... ich sag mal so: Mit all dem Stabilit, das dort verarbeitet war wäre ein Selbstaufrichten gar nicht möglich gewesen. Im Gegenteil. Der Aufbau war so schwer, dass er ein Kentern eher noch herbeigeführt hätte. Da blieb nun also keine größe Wahl: Vom Aufbau wurden Schlepphaken und Steuerrad abgebaut, der Mannlochdeckel auf dem Dach abgetrennt und der Rest dem Recycling zugeführt. Sprich: Tonne auf und rein damit.

Zunächst gab es noch ein paar grundlegende Überlegungen anzustellen:

Das die Graupner-Vegesack ein Problem mit der Abdichtung der Decksöffnung hat ist ja nicht wirklich ein Geheimnis. Nun sollte mein Modell aber kein Schönwetterfahrzeug werden sondern auch mit rauer See und hohen Wellen (und die hab ich hier an der Nordsee oft genug) zurechtkommen ohne das ich eine Lenzpumpe einbauen muss, die im Dauerbetrieb läuft. Also ran an den Computer und erstmal ein 3D-Modell erstellt mit dem mehrere Varianten der Bauausführung durchgespielt werden konnten. Die letztendlich gewählte Lösung sah dann so aus:

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Hier sind alle Decksöffnungen gut ersichtlich. Unter dem Bugdeckel liegen später Empfänger und Drehzahlregler, unter dem Deckshaus die Fahrakkus und der achtere Mannlochdeckel gewährt Zugang zur Ruderanlage. Eine wichtige Bedingung: Auch am fertigen Modell sollte die gesamte Technik wieder auszubauen sein, um so etwaige Reparaturen leichter zu ermöglichen. Und das Ganze ohne sich übermäßig die Finger zu verbiegen.

Die Antriebskomponenten waren auch schon ausgewählt: Da ich das Modell so preiwert wie möglich aufbauen wollte kamen vorrangig Teile zum Einsatz, die ich noch in meiner Bastelkiste gefunden habe. So lagen dann ein Speed 400 4,8V als Antriebsmotor, eine 2mm-Welle und eine 20mm-Dreiblattschraube zum Einbau bereit. Als Akku sollte ein noch vorhandener NiMh-Empfängerakku mit 4,8V und 1400 mAh zum Einsatz kommen.

Nachdem also all diese Fragen geklärt waren konnte es losgehen. Zuerst wurde aus 4mm-Plexiglas eine Kielplatte angefertigt, die Welle aufnimmt und die Halterung für das Ruderservo beeinhaltet

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Für den Antriebsmotor wurde ein Motorspant aus 3mm ABS hergestellt, die Wellen fluchtend ausgerichtet und der Spant im Rumpf eingeklebt.

Danach war die Ruderanlage an der Reihe.da bedingt durch die geringe Baugröße des Modells und den geringen Freibord davon auszugehen ist, dass das obere Ende des Ruderkokers auch mehr unter wie über Wasser sein dürfte, sollte auch dieser verstärkt unter den Gesichtspunkten Dichtigkeit und Wartung ausgeführt werden:
Der Ruderanlage besteht also nun im Wesentlichen aus einer gekürzten 2mm-Schiffswelle mit ebenso gekürztem Stevenrohr. Im Bereich der Ruderkokerposition wurde die Kielplatte zunächst verstärkt, durchgebohrt und der Ruderkoker eingeklebt. Die Ruderwelle ist so lang , dass das Gewindeende oben aus dem Koker heraussteht und die Welle unten bis auf den Schutzbügel herunterreicht. Auf die Welle wird das Ruderhorn mit zwei Muttern M2 festgeklemmt, Das Ruderservo eingebaut und das Gestänge passen gebogen und eingehakt.

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Das Ruderblatt besteht aus zwei miteinander verklebten 2mm-Plexiglas-Platten, in die vorher bereits jeweils eine Kerbe entlang des Verlaufs der Ruderachse eingeschnitten wurde. Nach dem Verkleben konnte so ziemlich zielgenau dieser Kanal auf 2mm aufgebohrt werden, so dass die Ruderwelle komplett durch das Ruderblatt durchgeschoben werden konnte. Um die Drehbewegung der Ruderwelle auf das Ruderblatt zu übertragen kommt ein 2mm-Stellring zum Einsatz, der am Umfang auf 2 Seiten abgeflacht ist. Als Gegenstück ist am Ruderblatt am oberen Ende eine entsprechende Aussparung vorhanden. Um ganz sicher zu gehen ist der Stellring noch mit dem Ruderblatt verklebt. Zur Montage und Einstellung der Ruderanlage gibt es nun mehrere Möglichkeiten: Zum einen über das einstellbare Rudergestänge und zum anderen über den Stellring am Ruderblatt.

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Damit sind die Arbeiten an der Antriebsanlage der SIGGI soweit abgeschlossen und es kann mit dem Deck weitergehen.

Aus dem CAD-Modell ergeben sich schon die Maße für die Einsatzkasten, in den später das Deckshaus eingesteckt wird. So können alle diese Teile aus Polystyrol-Platten ausgeschnitten und zusammengeklebt werden.

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Auf dem Foto ist sehr schön zu sehen, was vom ursprünglichen Baukasten-Deck noch übrig geblieben ist.
Da das CAD-Modell auf Basis der Original-Pläne entstanden ist viel schnell auf, dass Graupner für das Vegesack-Modell doch ordentlich “angepasst” hat. So lag die Rückwand der Plicht satte 13 mm zu weit hinten und auch die Position des hinteren Mannlochdeckels war nicht so wirklich richtig. Aber diese kleinen Unzulänglichkeiten konnten nun ohne größere Probleme angepasst werden.

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Im weiteren Verlauf entstand dann auch das neue Vordeck aus Polystyrol-Platten.

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Sieht ja schon mal gut aus soweit.

Als nächstes wurde dann im Bug ein 2mm-Messingrohr eingesetzt durch das das Aufholseil für den Sliphaken läuft. Die unteren Ösen für den Sliphaken wurden aus 1mm-Messingdraht gebogendann auch gleich eingebaut.

Da der achtere Mannlochdeckel ja den Zugang zur Ruderanlage ermöglichen soll war es notwendig, diesen auch funktional auszuführen. Die Mannlochdeckel selber sind die Originalteile, dich ja vom Deck und dem alten Aufbau abgetrennt hatte. Also wurde nun ein Kunststoffrohr - einen ungefähr passenden Durchmesser hatte ich mit Verbindungsmuffen aus dem Sanitärbereich im Baumarkt gefunden - auf den endgültigen Außendurchmesser geschliffen (der Mannlochdecke sollte stramm auf dem Rohr sitzen) und dann an der richtigen Stelle im Heck in eine passend gefräste Öffnung eingeklebt.

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Als nächstes entstand nun der Deckel für das Vordeck. Da dieser möglichst genau in die schon vorhandene Öffnung passen sollte da es am Ende auch hier auf Dichtigkeit ankommt, habe ich mich eines kleine Tricks bedient:

Mehr oder weniger durch Zufall habe ich mal herausgefunden, dass Sekundenkleber halt doch nicht an allem haftet. zum Beispiel nicht an den sehr dünnen Plastiktüten, die im Supermarkt zum Verpacken von Gemüse und Obst vorhanden sind. So ist es also möglich, das Bauteil nicht losgelöst von seiner Umgebung herzustellen, sondern es gleich an Ort und Stelle im Modell anzupassen und zusammenzukleben, ohne, dass sich das Bauteil auf alle Ewigkeiten mit dem Untergrund verbindet. Allerdings ist Vorsicht angesagt. Die Plastikfolie sollte kein Loch bekommen.

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So ergeben sich schön kleine Spaltmaße zwischen den Einzelteilen.

Da so nun alle Öffnungen verschlossen waren und die Technik ja auch schon im Rumpf Platz genommen hat war es an der Zeit für eine erste Testfahrt. Sozusagen, die Vor-Junfgernfahrt. Unlackiert und nackt ging es also anlässlich eines Besuches bei meiner Partnerwerft zum Schaufahren an den Elfrather See bei Krefeld.
Mutig wie man als Modellbauer ja ist wird alles angeschlossen, das Modell eingeschaltet ( der Sender natürlich auch) und das Schiffchen seinem Element übergeben. Und siehe da: Es schwimmt. Gut, dass ist nun nicht verwunderlich. Ist ja kein Uboot und Löcher hat der Rumpf nun auch nicht. Fahren tut es auch, aber da zeigte sich dann die einzige “böse” Überraschung: Die SIGGI kam zwar vorwärts, aber nur sehr langsam. Von Scale-Geschwindigkeit konnte man gar nicht reden. Wellenbild war nur annähernd vorhanden. Da konnte der Speed 400 mit den 4,8V aus dem Akku wohl nicht viel anfangen...
Aber ok... war ja auch nur ein erster Test. Da muss ich also nochmal ran.

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Im heimischen Planschbecken gab es noch ein paar weitere Tests:

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Mit der selben Technik wurde dann das Deckshaus direkt in der dafür vorgesehen Öffnung im Rumpf zusammengeklebt. die Einzelteile wurden vorher aus dem CAD-Modell übernommen und mit dem Cutter-Messer zugeschnitten.

Diese Platte wurde in den Kiel eingepasst und ordentlich mit Sekundenkleber “vergossen”. Damit war der Kielbereich schon mal wieder soweit dicht und die Antriebsanlage eingebaut.

Baubericht Siggi Gudjöns Teil 1